Geschichte

Historische Aufarbeitung

Kurzfassung

Die Historische Aufarbeitung des Vincenzheims in Dortmund ist eine unabhängige wissenschaftliche Studie zur Zeit von 1970 – 1990. Sie wurde 2022 – 2025 ohne Einflussnahme durchgeführt und basiert auf Archivmaterial und Zeitzeugenberichten. Zentrale Erkenntnis: Neben Reformen gab es auch problematische Strukturen und belastende Erfahrungen, die heute kritisch eingeordnet werden.

Was ist die Historische Aufarbeitung?

Die Historische Aufarbeitung ist eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung zur Geschichte des Vincenzheims in Dortmund.

Sie erscheint als Buch: „Das Vincenzheim in Dortmund 1970 – 1990. Entwicklungen, Debatten, Erfahrungen“ von
Dr. Barbara Vosberg (Historikerin und freie Autorin) und Prof. Dr. Andreas Henkelmann, (Professor für Historische Theologie an der Katholischen Hochschule NRW Abteilung Paderborn, Forschungsschwerpunkt: Geschichte der katholischen Heimerziehung.)

Kaufhinweis

Zu erwerben im Buchhandel und bei allen gängigen Online-Anbietern für einen Stückpreis von 35€.

Warum wurde die Aufarbeitung beauftragt?

Die Entscheidung zur Aufarbeitung fiel 2020.

Ziel war es, die eigene Geschichte kritisch, transparent und ergebnisoffen untersuchen zu lassen. Gleichzeitig reagiert die Studie auf eine breitere gesellschaftliche Debatte, in der viele Erfahrungen aus der Heimerziehung bislang unzureichend aufgearbeitet sind.

Ein zentrales Anliegen war:

  • Betroffenen eine Stimme geben
  • Erfahrungen und Erinnerungen dokumentieren
  • unterschiedliche Perspektiven einbeziehen (Bewohnerinnen, Mitarbeitende, Verantwortungsträger)
  • Erkenntnisse aus der Geschichte für die heutige Praxis nutzbar machen

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Die Untersuchung wurde 2022 – 2025 von unabhängigen Wissenschaftlern durchgeführt.

  • Datengrundlage: Archivdokumente und Zeitzeugeninterviews
  • Methode: historische Analyse und qualitative Auswertung
  • Grundsatz: keine Einflussnahme auf Ergebnisse und Bewertungen

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

Die Studie untersucht den Zeitraum 1970 – 1990, eine Phase intensiver Debatten über Heimerziehung.

Zentrale Befunde:

  • Die Zeit war geprägt von Reformen und Veränderungen
  • Gleichzeitig gab es strukturelle Probleme und Unzulänglichkeiten
  • Erfahrungen reichen von belastend bis positiv

Die Quellenlage bestimmt den Fokus: Zusammenhängende Archivunterlagen liegen überwiegend erst ab den 1970er Jahren vor.

Welche Perspektiven wurden berücksichtigt?

Die Studie integriert mehrere Blickwinkel:

  • ehemalige Bewohnerinnen (Zeitzeuginnen)
  • Ordensfrauen der Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vincenz von Paul, Paderborn
  • Mitarbeitende
  • Vertreter von Behörden und Verbänden

Diese Mehrperspektivität ermöglicht ein differenziertes Gesamtbild der damaligen Lebensrealitäten.

Warum sind Zeitzeugenberichte zentral?

Zeitzeugenberichte sind persönliche Erfahrungsquellen, die historische Strukturen konkret erfahrbar machen.

Die Beiträge zeigen: individuelle Belastungen und Langzeitfolgenaber auch differenzierte, teilweise positive Erinnerungen

Wie wurde aus dem St. Vincenz Jugendhilfe-Zentrum die heutige KJD?

Das damalige St. Vincenz Jugendhilfe-Zentrum e.V. ist heute Teil der Katholischen Jugendhilfe Dortmund gGmbH (KJD).

Die KJD entstand 2024 durch Fusion mit der Dortmunder Jugend- und Familienhilfe St. Bonifatius.

Die Ergebnisse der Aufarbeitung dienen als:

  • Grundlage für Reflexion
  • Impuls für Weiterentwicklung in der Kinder- und Jugendhilfe

Wann wird die Studie veröffentlicht?

Die Veröffentlichung erfolgt im Rahmen eines Pressetermins am 19.05.2026 um 13 Uhr im Theatersaal am Standort Oesterholzstraße 85-91.

Quellen und weiterführende Informationen

Buchveröffentlichung: Vosberg / Henkelmann (2026)

"Damit ist das Dortmunder Vincenzheim eine rühmliche Ausnahme, die Zahl an entsprechenden Studien zu katholischen Einrichtungen ist recht überschaubar." Veröffentlichung (April 2026) in der Caritas in NRW unter der Überschrift „Uneingelöste Versprechen“, Autor: Prof. Dr. Andrea Henkelmann

Geschichte

Jugendhilfe im Wandel der Zeit

Auch wenn die Katholische Jugendhilfe Dortmund in ihrer heutigen Form erst seit 2024 existiert, reichen ihre Wurzeln doch mehr als 100 Jahre zurück. Hier zeichnen wir das Wirken der verschiedenen Dortmunder Vorgänger-Organisationen und die Entwicklung hin zur heutigen KJD gGmbH nach.

1901
Gründung des Vereins „Vincenzwaisenhaus“ auf Initiative von Agnes Neuhaus

1903
Am 29. Oktober 1903 wird das Zufluchtshaus unter dem Namen „St. Vincenzheim und Waisenhaus“ eröffnet.

1906
Das Gebäude wird auf 170 Plätze erweitert. Die Zahl der Schwestern steigt von 6 auf 20.

1909
Bis 1945 leisten die Franziskanerinnen von der hl. Familie aus Mayen die stationäre Kranken- und Wöchnerinnenpflege, die ambulante Gemeinde-, Kranken- und Altenpflege sowie die Betreuung der Kinder des St. Bonifatius-Kindergartens.

1910
Bau des St.-Bonifatius-Haupthauses als Dortmunder Sanatorium am Kaiserhain der St. Bonifatius-Gemeinde

1914
Einweihung des Säuglingsheims

1924
Das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz (RJWG) tritt in Kraft.

1926
Am 22. Oktober 1926 wird der Strüverhof in Hamm-Allen gekauft.

1931
Bauerweiterung des Flügels an der Oesterholzstrasse.

1935
Die Frauen Elisabeth Zillken und Agnes Neuhaus (Gründerin des Vereins) werden als erste Frauen ordentliche Mitglieder des Vereins.

1949
Einweihung der wiederaufgebauten Kapelle.

1956
Gebäude an der Oesterholzstr. werden fertig gestellt.
Auf den Grundmauern des ehemaligen Krankenhauses entsteht das Wohnhaus St. Bonifatius. Zunächst finden hier männliche Jugendliche und junge Männer, die aus den deutschen Ostgebieten in den Westen geflüchtet waren, ein erstes Zuhause.

1959
Am 1. April 1959 werden die ersten Lehrverträge für staatlich anerkannte Ausbildungen abgeschlossen. Die Lehrberufe waren Wäschenäherin, Herrenwäschenäherin und Feinbüglerin.

1960
Die großen Schlafsäle werden zu 1 bis 3 Bettzimmern umgebaut.

1961
Das Jugendwohlfahrtsgesetz (JWG) tritt in Kraft.

1962
14 Mädchen beginnen die zweijährige Hauswirtschaftslehre im Vincenzheim.
Das Grundstück in der Oesterholzstr. 91 wird von St. Vincenz gekauft.

1963
Die Ausbildung zur Stenotypistin wird angeboten.

1965
Anerkannte Zweigstelle der Berufsschule in Dortmund.
Einweihung der Räumlichkeiten Turnhalle, Freizeiträume, Werkraum und Beatkeller.

1968
Genehmigung des Landschaftsverbandes zur Reduzierung auf 12 Plätze pro Gruppe.

1969
Das Ausbildungsangebot zur Friseurin startet.

1974
Dr. Uerlichs (Psychologe/Psychoanalytiker) und Fr. Sägeling-Happe (Psychologin) sind verantwortlich für Institutionsberatung und Therapie.

1975
Neubau der Wohnungen in der Oesterholzstr. 89 und 91.

1976
Das Hallenschwimmbad wird gebaut und der neue Friseursalon in Betrieb genommen.

1978
Die erste Psychologin, Irmgard Neulen, wird eingestellt.

1980
Zwei Mutter-Kind-Gruppen mit je 6 Plätzen werden eröffnet.
Am 28. November 1980 stirbt Elisabeth Zillken.

1981
Betriebserlaubnis der privaten Sonderschule für Erziehungshilfe.

1990
Beginn der Aufnahme von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen bei St. Bonifatius

1991
Das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) tritt in seiner ersten Fassung in Kraft.
Erste Gruppen werden ausgelagert: Die Luciagruppe wird zur Außenwohngruppe Brackel, die Cäciliengruppe wird zur Außenwohngruppe Eving.
Beginn des Verselbstständigungsbereichs Betreutes Wohnen als Ergänzung zum Gruppenangebot.

1994
Die erste Jungengruppe wird als Außenwohngruppe Höchsten ausgelagert.

1995
Die Schwestern werden bei St. Vincenz verabschiedet.

1997
Die Lukasgruppe, eine weitere Jungengruppe, wird im Haupthaus von St. Vincenz eröffnet.
Beginn der intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuung.
Ein hauptberuflicher Freizeitpädagoge wird eingestellt.

1998
Durchführung der ersten intensivpädagogischen Auslandsmaßnahme mit festem Standort und Vorortbetreuung des Projektes/Supervision (Spanien)
Eröffnung der Heilpädagogischen Tagesgruppe als teilstationäres Angebot
Die Familienambulanz wird als ambulantes Angebot eingerichtet.
Die sozialpädagogische Intensivgruppe (Goretti-Gruppe) wird koedukativ.
Die Katharinengruppe, Mutter-Kind-Gruppe für ältere Mütter, wird eingerichtet.

1999
Das DomiZiel (Betreuungsform der stationären Eingliederungshilfe für psychisch kranke junge Erwachsene) wird eröffnet.
Einstellung einer Ergotherapeutin
Graffitiprojekt Hauswand
Zusammenarbeit mit dem Auslandsinstitut und spanischen Jugendlichen/Künstler:innen
Kauf der Gutemine (ehemaliges Segelschiff von Hans-Joachim Kulenkampff) und Restauration durch Mitarbeitende und Jugendliche. Gründung des Fördervereins Gutemine e.V. Das Schiff wird anschließend für freizeitpädagogische und intensivpädagogische Maßnahmen genutzt.

2000
Qualitätsentwicklungsprojekt der Dortmunder Heime in Kooperation mit dem Dortmunder Jugendamt und Prof. Dr. Merchel.
Eröffnung Jugendcafe "Come In"
Einrichtung von Erziehungsstellen
Bei St. Bonifatius wird die ambulante Erziehungshilfe angeboten und durchgeführt.

2001
Die erste Webseite von St. Vincenz geht online.
Auslagerung einer DomiZiel-Gruppe in den Stadtteil
AWG-Eving arbeitet koedukativ.
Das Betreuungsangebot im Wohnhaus St. Bonifatius wird um die Gemeinsame Wohnform für Mütter und Kinder erweitert.

Bildunterschrift. © Image Credit

2002
AWG-Eving wird AWG Kirchhörde
Integration tiergestützter Pädagogik
Auslagerung einer weiteren DomiZiel-Gruppe in den Stadtteil
Quartiersmanagement beginnt im Trägermodell Berhard-März-Haus, Stadtteil-Schule, Vincenzheim Ausbildungsstätte e.V.

2003
Die Leitbildentwicklung wird fortgeschrieben.
Das Vincenzheim feiert 100jähriges Bestehen.

2006
Eröffnung der systemisch orientierten 5-Tage-Gruppe Höchsten

2007
Eröffnung des psychomotorischen Förderzentrums "FluVium" und der intensivpädagogischen Wohngruppe Lukashof in Lünen Hostmar
Neuverortung der Familienpflege: seit 1955 ein Angebot des Dortmunder Caritasverbandes, heute SPFH II im Wohnhaus St. Bonifatius

2009
Eröffnung neuen Förderschule für soziale und emotionale Entwicklung "Schule am Adelwald" in Hamm

2010
Eröffnung der Wohngruppen Refugium in Werl Westönnen

2012
Die Mädchenwohngruppe findet in dem ehemaligen Schwesternkonvent St. Franziskus in der St. Josefs-Gemeinde in Asseln ein neues Domizil und wird die erste Außenwohngruppe (AWG) der Jugend- und Familienhilfe St. Bonifatius.

2015
Eröffnung der Unterbringung für „unbegleitete minderjährige Ausländer“ in einer Schule in Kley, später Umzug in ein Mietshaus und anschließender Umzug in das Jägerheim in Holzen und Eröffnung des Förderzentrums Next Level, Förderzentrum für personale und berufliche Integration
Gründung der AWG für männliche minderjährige unbegleitete Ausländer (UMA) in dem bis dahin leerstehenden Pfarrhaus St. Johann-Baptist in Dortmund Kurl

2017
Im ehemaligen Pfarrhaus in Dortmund Neu-Asseln wird eine weitere AWG für männliche UMA eröffnet.

2020
Die Mobile Betreuung (MOB) für ältere Jugendlichen und junge Volljährige im Stadtgebiet Dortmund in zehn angemieteten „Trägerwohnungen“ wird etabliert und das Angebot des ambulanten Clearings entwickelt, das sich insbesondere an geflüchtete Familien richtet.

2024
St. Vincenz Jugendhilfe-Zentrum e. V. und Jugend- und Familienhilfe St. Bonifatius fusionieren nach längerer Vorbereitung zur KJD – Katholische Jugendhilfe Dortmund gGmbH.